Schockiert und überwältigt
Caritas zieht nach sechs Wochen Hochwasserhilfe Bilanz

„Wir waren schockiert vom Ausmaß der Schäden und überwältigt vom Ausmaß der unerwarteten Hilfe durch private Personen und Organisationen“, sieht Dr. Sepp Winklmayr von der Caritas St. Pölten rückblickend die Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe.

„Nun beginnt die dritte Phase unserer Arbeit“ verkündet Caritasdirektor Mag. Friedrich Schuhböck bei einer Pressekonferenz in Krems über die Hochwasserhilfe der Caritas. „Gleich nach der Katastrophe haben wir in 85 Pfarren über 2.500 Familien mit 620.000 Euro Soforthilfe unterstützt“, weist er hin. Als nächste Maßnahme gab es für viele Familien „Überbrückungshilfe“ zur Deckung ihrer primären Lebensbedürfnisse. „Nun versuchen wir, durch verschiedene Maßnahmen und Angebote, den Menschen ihre einstigen Lebensgewohnheiten zurückzugeben“. Neben materieller Hilfe ist für viele auch psychische Betreuung nötig. „Viele sind traumatisiert“, weist Direktor Schuhböck hin. Manche scheuen sich seitdem zu duschen, eine Frau werde immer wieder aus dem Schlaf gerissen und meint, sie schwimme in ihrem Bett auf dem Wasser und Kinder haben seitdem vor jedem neuen Regen Angst, zählt Schuhböck einige Auswirkungen auf.
So ist Diplomsozialarbeiterin Angelika Karner vom psychosozialen Dienst der Caritas bemüht, diese Erlebnisse durch Gespräche wieder in das normale Leben jener Menschen zu integrieren. „Langsam trauen sich die Betroffenen, über ihre Ängste zu reden“, sagt sie. Die Gesprächshilfen von der Caritas werden kostenlos angeboten. Doch „die psychischen Spätfolgen kommen erst“, meint Karner und rechnet noch mit einer Zunahme von Hilfesuchenden in den kommenden Monaten.

„Katastrophenlager“ Krems
Bei der Soforthilfe ist hingegen Ruhe eingekehrt. Werner Pipan, Regionalbetreuer in Krems: „Das Katastrophenlager in Krems kann demnächst wieder geschlossen und der „normale“ Betrieb als Gebrauchtwarenlager aufgenommen werden“. Über 550 Familien haben seit August dieses Angebot in Anspruch genommen und Gebrauchsgegenstände und Geräte, vom Kochtopf bis zur Waschmaschine, abgeholt. Etwa 80 Prozent der gespendeten Geräte waren „verwendbar“, weist Pipan hin. Mitglieder des Malteser-Hilfsdienstes haben sieben Wochen lang mitgeholfen, die Geräte zu lagern und zu verteilen.
Bei der Kleidung wurde mehr gespendet als benötigt, sagt Werner Pipan. „Ein Drittel des gelieferten Gewandes war allerdings nicht mehr verwendbar“, bedauert er. Doch auch davon gehe nichts verloren. „Der brauchbare Rest wird Hilfsbedürftigen im Osten zur Verfügung gestellt“. 

Engagierte Pfarren
Manche Familien in den Hochwassergebieten brauchen auch heute noch ständig Lebensmittel, weist der Regionalbetreuer hin. Viele leben seit der Katastrophe unter dem Existenzminimum und schaffen aus eigener Kraft den Wiederaufbau nicht mehr. Die Caritas hilft mit Überbrückungshilfe bis zur Sonderhilfe aus einem eigens dafür eingerichteten Fonds. 
Dr. Walter Feninger, Koordinator für den Bezirk Melk, unterstreicht die gute Zusammenarbeit mit den Pfarren. „Das Pfarrnetz funktioniert“, freut er sich. So könne für jeden Betroffenen ein „maßgeschneidertes Hilfspaket“ zusammengestellt werden. Über die Pfarren werde auch über angebotene Hilfen vorbildlich informiert, weist er hin. Dies reiche von Hausbesuchen des Pfarrers, über die Anschlagtafeln bei den Kirche, den Schaukästen, bis zum Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pfarren. Neben Mitarbeitern aus den Pfarrgemeinderäten beteiligen sich auch Firmgruppen, erzählt Feninger.

Weihbischof dankt den Helfern
Bei der jüngsten Sitzung des Kuratoriums der Caritas hat auch Weihbischof Dr. Heinrich Fasching nach dem Bericht des Caritasdirektors Friedrich Schuhböck über den Einsatz der Caritas bei der Hochwasserkatastrophe allen Mitarbeitern und Helfern seinen Dank für die spontane Hilfe für die Opfer der Katastrophe ausgesprochen. Die Caritas sei unter den öffentlichen Hilfsorganisationen meist an erster Stelle gestanden, wo sich die Not der Hochwasserkatastrophe abzeichnete.