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Katholische Aktion und
Gemeinden bieten vor Ort Hilfe an
Als "Tag großer
Aktualität und menschlicher Dringlichkeit" bezeichnete Bischof Dr.
Kurt Krenn den Start des "Netzwerkes der Solidarität" im Raum St.
Pölten.
Das „Netzwerk der Solidarität“
ist ein kommunaler Beschäftigungspakt auf Initiative und unter Mitwirkung
der Kirche durch die Katholische Aktion der Diözese. Aktive Träger
sind Kommunalpolitiker, Pfarrgemeinderäte, örtliche Interessenvertretungen
und weitere Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen. Sie versuchen, Arbeitssuchende
zu ermutigen und ihnen verlorenes Selbstvertrauen wiederzugeben. Oberstes
Ziel ist die Unterstützung bei der Suche nach Arbeitsplätzen.
Im vergangenen Jahr konnten 80 Langzeitarbeitslose durch das Netzwerk auf
Dauerarbeitsplätze vermittelt werden. Das Netzwerk ist nun in den
Gemeinden Herzogenburg, Klosterneuburg, Krems, Neulengbach, St. Andrä-Wördern,
Tulln, Amstetten St. Valentin und in der Landeshauptstadt St. Pölten
vertreten.
Bischof Krenn: richtiges
Verhältnis von Geld und Arbeit wieder herstellen!
Bei der Startveranstaltung
im Sommerefektorium des Bistumsgebäudes hob der Bischof hervor, dass
es "richtig und förderlich" sei, in diesen Problemen der Arbeitslosigkeit
die Bewusstseinsbildung zu fördern. Die Kirche dürfe dabei nicht
nur "ein abstraktes Wissen erzeugen", vielmehr sei "jede konkrete Tat der
Hilfe" gefragt. Vor allem unterstrich der Bischof, dass das "richtige Verhältnis
zwischen Geld und Arbeit" wieder hergestellt werden müsse und fragte
"Welchen Sinn hat es, uns mit Börsenmeldungen zu beeindrucken, wenn
wir ein gerechtes Verhältnis zur Arbeit des Menschen nicht mehr finden?
Mit dem Geld soll Arbeit, Wohlstand und Gerechtigkeit gesichert werden;
die anonymen Strukturen der Spekulation bilden dafür kein Gewähr".
Nicht zuletzt werde der politische Friede im Land für das Problem
der Arbeitslosigkeit entscheidend sein, sagte er.
Studie zur Langzeitarbeitslosigkeit
In der von der Kath. Aktion
bei der Sozialakademie in Auftrag gegebenen Studie über die Langzeitarbeitslosigkeit
im Raum St. Pölten zeigte sich, dass im vergangenen Jahr ein Rückgang
der Arbeitslosen zu verzeichnen war. Dennoch seien laut Studie noch immer
2883 Menschen arbeitslos, 815 von ihnen „langzeitarbeitslos“ und 1032 gelten
als „schwer vermittelbar“. Unter diese fallen vor allem Personen mit hohen
Schulden, mit Behinderungen und Menschen mit geringer Mobilität.
Nicht die Globalisierung,
sondern die demografische Entwicklung der vergangenen 25 Jahre hatte den
wesentlichsten Einfluss auf die heutige Arbeitsmarktsituation, erklärte
der Projektleiter der Studie, Dr. Tom Schmid. Die derzeit hohe „Sockelarbeitslosigkeit“
sei in erster Linie auf die gestiegene Nachfrage an Arbeitsplätzen
zurückzuführen. Das Wachstum an Arbeitsplätzen haben in
den vergangenen Jahrzehnten mit der zusätzlichen Nachfrage nach Erwerbsarbeit
nicht Schritt halten können.
Das Problem hinter der Arbeitslosigkeit
sei für den Betroffenen aber nicht nur das Fehlen von Erwerbsarbeit
und der Mangel an ausreichendem Einkommen, sondern die „noch komplexeren
Probleme der Ausgegrenztheit von gesellschaftlicher Teilhabe und eigenen
Entwicklungsmöglichkeiten“.
Podiumsdiskussion
Bei der Podiumsdiskussion
im Rahmen der Veranstaltung zeigte sich viel guter Wille, gegen das Problem
der Arbeitslosigkeit gemeinsam aufzutreten, neue Wege zu gehen und vor
allem auch die Infrastruktur zu verbessern. Eine Lösung angesichts
der komplexen Situation sei allerdings noch nicht in Sicht.
LH-Stv. Liese Prokop
zeigte sich erfreut, dass die Katholische Aktion verstärkt wieder
das Thema "Arbeitslosigkeit" aufgreift und weist hin, dass es auch heute
Personengruppen gibt, die ohne Unterstützung öffentlicher Hand
am regulären Arbeitsmarkt nicht vermittelt werden können. Der
NÖ Beschäftigungspakt will in den nächsten fünf Jahren
20.000 zusätzliche Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen. Dafür
werden die Vertragspartnern allein im diesem Jahr 351 Mill. Schilling bereitstellen,
betont sie.
Mag. Karl Fakler
vom Arbeitsmarktservice NÖ (AMS) sieht die Gesamtentwicklung der letzten
Zeit positiv. Vor allem habe man in den vergangenen Jahren "Überzeugungsarbeit
vor Zwangsmassnahmen" gestellt, was sich nun in einer niedrigen Arbeitslosenrate
niederschlage. Wirtschaft und wirtschaften sei aber von Menschen geschaffen
und könne daher nur wieder von diesen geändert werden, unterstrich
er. Der "zweite Arbeitsmarkt" sei ein wichtiges Sprungbrett, wieder in
den Arbeitsprozess einsteigen zu können
Komm. Rat Ing Josef Schirak
von der Wirtschaftskammer wies hin, dass es für Betriebe nicht möglich
sei, Arbeitnehmer aus rein sozialen Erwägungen zu beschäftigen.
Es wäre aber im Interesse aller Betroffenen, bei den Kollektivverträgen
anzusetzen und eine Abflachung der Lohn- und Gehaltskurve anzustreben.
Ein weiterer Punkt sei die Entwicklung "bedarfsorientierter Ausbildungsmodelle",
regte er an.
Dr. Rudolf Schwertner,
Präsident der Kath. Aktion, wies in seinen Worten auf den Auftrag
der Katholischen Aktion hin, der darin bestehe, sich für die Armen
einzusetzen. Die Kath. Aktion sehe die Not, beurteilt sie nach Ursachen
und Chancen und leitet daraus ihr Handeln ab.
In einem umfangreichen Forderungskatalog
an Politik und Gesellschaft, gegen die Arbeitslosigkeit mehr zu tun,
verlangt er ein Aufstocken der Mittel, wahrheitsgemäße Berichterstattung
und Aufklärung über die wirkliche Situation, kein Ausgrenzen
der Betroffenen, sondern Solidarität und eine Verbesserung der Rahmenbedingungen
für soziale Initiativen und Projekte.
Kontaktadresse "Netzwerk
der Solidarität": Julius Felker, 3101 St. Pölten, Klostergasse
15, Tel. 02742/398-371; FAX: 02742/398-381. |