Hoffnung gegen Verzweiflung
Die Stadt Vukovar kämpft ums Überleben


Zehn Jahre nach dem Krieg in Kroatien ist Vukovar eine Geisterstadt geblieben. Damals wurde die Stadt eingenommen, die Häuser zerstört und tausende Menschen getötet. Erschossen, ermordet, in Massengräbern verscharrt. 
Mit Hilfe aus St. Pölten und weiteren Freunden aus Österreich und Deutschland versucht P. Zlatko Spehar den Menschen wieder Hoffnung und Zukunft zu geben.
 
Ein Friede, dem niemand recht traut
Wo du bist, Herr, ändert sich die Welt
Weihnachten für die vergessene Stadt
Hilfe für Vukovar

Ein Friede, dem niemand recht traut

Seit fünf Jahren ist Friede. Ein Friede dem niemand so recht traut. Noch immer sind weite Wiesen- und Ackerflächen vermint. Kinder können nur auf dem hartem Asphaltboden spielen. Tausende Häuser liegen in Schutt. Was die Kanonen nicht schafften, hat der Zahn der Zeit besorgt. Ganze Straßenzüge sind entvölkert. Es fehlen junge Familien. Kaum jemand will zurückkehren. Die Lebenschancen sind gering. Wer zurückkehrt, braucht Geld zum Wiederaufbau. Und er braucht Arbeit, die es nicht gibt. Die einst blühenden Fabriken sind zerstört. Von den 30.000 Arbeitsplätzen sind nach dem Krieg knapp 1.000 geblieben. Zu wenig, um eine neue Existenz aufzubauen. Es sind vorwiegend Pensionisten, die sich wieder ansiedeln – meist nur, um daheim zu sterben. Noch stehen 3.500 Arbeitslose den 1.000 Arbeitsplätzen gegenüber. 
Die Caritas kennt die Not. 500 Familien muss sie ständig mit Lebensmitteln versorgen, 700 Familien mit Bekleidung. Auch Medikamente sind vonnöten. Durch staatliche Wiederaufbauhilfe wurden einige Wohnungen wieder bewohnbar gemacht, aber die Menschen haben kein Geld für Möbel. Sie schlafen in Decken gehüllt auf dem Fußboden. Sie haben gelernt, mit den Relikten des Krieges zu leben.

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„Wo du bist, Herr, ändert sich die Welt!"

Wie ein Zeichen aus einer neuen Welt erhebt sich das Franziskanerkloster über den Häusern der Stadt. Mit renovierter Fassade und neuem Dach. Doch dahinter liegt noch der Schutt des Krieges. „Unser Haus soll ein Zeichen der Hoffnung sein, damit die Bewohner wieder zurückkehren und sich hier ansiedeln“, meint P. Zlatko Spehar. Seit drei Jahren versucht der ehemalige Kroatenseelsorger von St. Pölten aus dem Trümmerhaufen wieder einen Ort der Hoffnung zu machen. Noch regt sich hinter den Fassaden kein Leben. Die Kirche ist kahl und nur notdürftig eingerichtet. Nacktes Ziegelmauerwerk, wo einst bunte Fresken waren. Ein schlichter Tisch dient als Altar, an den Baueisen hängen lose die Kabel mit den Glühlampen in den Raum. Auf einem Transparent in der Apsis ist zu lesen: „Wo du bist, Herr, dort ändert sich die Welt“. Ein Satz, an den man hier wieder glauben muss, um durchzuhalten. Wo sich einst der linke Seitenaltar befand, hängt nun das „Kreuz von Vukovar“, aus Dornen geflochten und mit Papierblüten geschmückt. Daneben ein über zwei Meter großes Kreuz mit einem Korpus, in dem noch die Splitter von Granaten stecken. 
Das Refektorium, der „Festsaal“ der Pfarre, derzeit der einzig benutzbare Raum. Er wird als Versammlungsraum der Gemeinde und für den Religionsunterricht verwendet. Auch er gleicht einer Baustelle. „Wir können uns noch nicht selbst helfen“, bedauert P. Zlatko und zählt auf Hilfe von außen. 
Mit St. Pöltner Hilfe beginnt bereits ein neues Pfarrzentrum zu wachsen. Die Grundplatte ist betoniert, die ersten Eisenträger verankert. Im kommenden Jahr soll es fertig werden. P. Zlatko sieht dem voll Zuversicht entgegen - auch wenn er selbst noch in einem desolaten Zimmer hausen muss. 

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Weihnachten für die vergessene Stadt

Licht in den tristen Alltag bringt eine Gruppe Helfer aus Amstetten. 3.000 Weihnachtspäckchen für die Kinder von Vukovar hat die Familie Oismüller seit Oktober geschnürt und mit dem eigenen LKW in einer 12-Stunden-Fahrt in die Stadt an der serbischen Grenze gebracht. Zum Dritten Mal begab sich Josef Oismüller auf diese Tour. Für die Kinder von Vukovar kann Weihnachten wieder zu einem Fest der Hoffnung werden.
Seit zwei Jahren unterstützt die Familie mit ihren Freunden und Bekannten die Arbeit von P. Zlatko. Neben 3.000 Weihnachtspäckchen hat er Decken, Winterbekleidung, Schuhe, Stiefel und Lebensmittel geladen. Auch einige Kleinmöbel und Kinderwägen sind dabei.
Nicht nur die eigenen Kinder, auch viele Freunde und Bekannte haben mitgeholfen, damit diesmal in Vukovar wieder Weihnachten gefeiert werden kann. Es gab ein Benefizkonzert, bei Vortragsabenden wurde um freie Spenden gebeten, die Banken der Region haben Plüschtiere zur Verfügung gestellt und ein Adventmarkt hat weitere Mittel aufgebracht. „Es ist nicht wichtig, wieviel jedesmal zusammenkommt. Wesentlich ist, dass sich etwas zu verändern beginnt“, meint Josef Oismüller. Für ihn ist dieser Einsatz schon selbstverständlich. Auch die Kinder helfen mit. „Sie haben gelernt, auf etwas zu verzichten und mit anderen zu teilen, die es nicht so gut haben“, meint seine Frau. Die Weihnachtspäckchen werden von P. Zlatko an kroatische und serbische Kinder gleichermaßen verteilt. „Ein wichtiger Schritt im Friedensprozess“, meint er.

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Hilfe für Vukovar
Wer den Kindern von Vukovar helfen möchte: 
Konto der Kinderhilfe Vukovar von P. Zlatko, 
Raika-Region St. Pölten, 
Bankstelle Neidling, BLZ 32.788, Kto. 3.000.684