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Namensgeber des Capuccino wird seliggesprochen

Während der Befreiung Wiens von der Belagerung durch die Türken im Jahr 1683 stand er an vorderster Front - der Kapuzinerpater Marco d´Aviano. Als Seelsorger und päpstlicher Legat stand er den österreichischen Soldaten zur Seite. Neben seinen herausragenden religiösen Tugenden verwies der Präfekt der Heiligsprechungskongregation Kardinal Martins auf ein nicht unbedeutendes kulinarisches Erbe des neuen Seligen: Er gilt als "Vater" des beliebten Capuccino.
Unumstritten ist der Einfluss des beherzten Ordensmannes auf den eher unsicheren Kaiser Leopold und seine Familie. Man darf wohl vermuten, dass ohne die Anwesenheit d´Avianos der Feldzug gegen die türkischen Invasoren nicht denselben Erfolg gehabt hätte. Am 27. April wird Papst Johannes Paul II. den Kapuziner selig sprechen.

Begnadeter Seelsorger
Carlo Domenico Cristofori trat mit 17 Jahren in den Kapuzinerorden ein und nahm den Ordensnamen Markus an, mit 23 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Um 1665 wirkte er als Priester in Venetien, von den Menschen als Wundertäter verehrt, nachdem er 1676 eine wundersame Heilung vollbracht hatte. Heilungen und dadurch erfolgte Bekehrungen seien so zahlreich gewesen, dass er als einer der fruchtbarsten Seelsorger seines Jahrhunderts gilt.
Markus war befreundet mit Kaiser Leopold I. von Österreich und übte großen Einfluss auf dessen Politik aus. Als päpstlicher Gesandter im Entsatzheer bei der Belagerung Wiens durch die Türken halfen 1683 seine begeisternden Predigten mit, dass die widerstrebenden Feldherren sich einigten und die Stadt gerettet wurde; in der Folge konnte danach in fünf Feldzügen auch Budapest und Belgrad zurückerobert werden. Auch bei der zweiten Belagerung Wiens 1697 unter Prinz Eugen half Markus' Einsatz wesentlich. 1699 versuchte er, den Kaiser mit dem Papst auszusöhnen, aber er starb unterdessen an völliger Auszehrung in Anwesenheit des Kaiserpaares.
Bei Markus' Bestattung war die Menschenmenge so groß, dass Militär eingesetzt werden musste, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Sein Leichnam liegt in der Kapuzinerkirche in Wien.

Im Vorfeld hat der Präfekt der Heiligsprechungskongregation, Kardinal José Saraiva Martins, einige Klarstellungen dazu vorgenommen. Vor allem betont der Kardinal im Interview mit der Zeitschrift "30 giorni", dass der künftige Selige kein Feind der Moslems war. Martins entgegnet damit den Bedenken zahlreicher Persönlichkeiten aus Kultur und Politik, die einer Seligsprechung des streitbaren Ordensmannes inmitten einer angespannten Weltlage mit Unbehagen entgegen sehen. Schließlich hatte Marco schon als Jugendlicher mit der Waffe gegen die islamischen Heere zu Felde ziehen wollen. Um eine antiislamische Haltung habe es sich dabei aber nie gehandelt, meint der Kardinal. Es sei damals allein um die Verteidigung gegen eine angreifende Macht gegangen. Auf die Seligsprechung hat der Einsatz d´Avianos für die Befreiung Wiens nach den Worten Martins übrigens gar keinen Einfluss gehabt: Wie bei jedem anderen Fall auch sei es auch hier ausschließlich um die persönlichen Tugenden eines herausragenden Christen gegangen.

Als Kaffeespezialität in aller Munde
Der Kardinal sprach schließlich noch ein Kuriosum an: Mit dem in Wien begrabenen Kapuziner könnte die Frühstücksgewohnheit des Capuccino mit Hörnchen zusammenhängen. Nach der Legende hatten die Wiener Bäcker nämlich bei einem nächtlichen Überfall der Türken Alarm geschlagen, weshalb sie von da an das an den türkischen Halbmond erinnernde Frühstücksgebäck herstellen durften. In Erinnerung an den Kapuziner Marco D´Aviano, so der Präfekt, habe man das Frühstück dann mit dem Capuccino vervollständigt.
Ob nun ein im Gedenken an den neuen Seligen getrunkener Capuccino das Morgengebet ersetzt, ließ der kaffeebegeisterte Kurienkardinal allerdings offen. Ebenso, ob nun eine Kaffeetasse das offizielles Attribut des Seligen wird.


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