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Sieben Anliegen auf dem Weg in die Zukunft

In einem gemeinsamen Hirtenwort zum Pfingssonntag drücken die Erzbischöfe und Bischöfe Mitteleuropas nach der Wallfahrt der Völker in Mariazell ihre Bitten an die Gläubigen für den gemeinsamen Weg in die Zukunft Europas aus. Sie rufen die Gläubigen auf, nicht am Rande des Weges stehen zu bleiben, sondern mitzugehen, mitzudenken, mitzureden, mitzuarbeiten und Allianzen mit allen Menschen guten Willens zu suchen.
Botschaft der Bischöfe

Eine Woche vor dem Pfingstfest haben wir Bischöfe aus acht Ländern Europas zusammen mit vielen Pilgern - Frauen, Männern und jungen Menschen - uns in Mariazell, einem der großen Wallfahrtsorte in der Mitte Europas, bei der Magna Mater Austriae, Magna Domina Hungarorum, Alma Mater Gentium Slavorum, versammelt. In unserer Mitte war Angelo Kardinal Sodano, der Legat des Heiligen Vaters. Kurz nach der jüngsten Erweiterung der Europäischen Union geben wir ein Zeugnis für den Willen, als Christen an einem gemeinsamen Haus Europa mitzubauen. Das Evangelium ist dabei unser Maßstab. Wir kennen die Probleme und Gefährdungen des heutigen Europa. Wir wissen aber auch um die Chancen für ein wachsendes friedliches Miteinander auf unserem Kontinent inmitten der Menschheit. Als Menschen sind wir Mitmenschen. Unsere christliche Sorge gilt allen Menschen mit ihren Freuden und Leiden, mit ihren Hoffnungen und Ängsten. Sie sind trotz aller Unterschiede und Gegensätze unsere Brüder und Schwestern, weil Gott für uns alle Vater ist.

Die tiefste Quelle unserer Kraft zum Menschsein als Mitmensch-Sein ist Jesus Christus, unser Heiland und Erlöser. Unzählige Menschen haben seit 2000 Jahren im Glauben an ihn das Haus Europa mitgebaut und mitgestaltet. Unter ihnen sind sechs heilige Männer und Frauen, die wir als Patrone Europas verehren: der Mönchsvater Benedikt, Cyrill und Methodius, die Heiligen der slawischen Völker, Birgitta von Schweden, Katharina von Siena und Edith Stein.
Wir sind als Kirche Erben der Heiligen. Wir sind aber auch Erben der Sünder, die das Antlitz Christi und der Kirche oft verdunkelt haben. Wie der Heilige Vater es eindrucksvoll getan hat, erinnern wir uns an die Schatten in der Geschichte der Kirche. So helfen wir in unseren Völkern und Staaten, uns dem Dunklen in der eigenen Geschichte und der gemeinsamen Geschichte Europas zu stellen und Wege der Versöhnung zu gehen. Dies ist eine Voraussetzung für eine friedlichere Zukunft Europas. Wir leben in einer Zeit großer Entscheidungen, obwohl dies nicht allen bewusst ist. Wir Bischöfe bitten daher alle unserem Hirtendienst anvertrauten Christen: Versteckt Euren Glauben nicht! Bleibt nicht am Rand des Weges in die gemeinsame Zukunft stehen! Geht mit, denkt mit, redet mit, arbeitet mit, sucht Allianzen mit allen Menschen guten Willens! Jeder von Euch kann dazu etwas Kostbares beitragen. Wir sind davon überzeugt, dass ein neues, ein (noch) besseres Europa nicht ohne oder gegen die Christen, nicht ohne oder gegen Christus gebaut werden kann.
Im alten Gnadenbild von Mariazell zeigt uns Maria ihren Sohn Jesus Christus. Im Blick auf dieses Bild erinnern wir uns an ein Wort Marias, das sie Menschen bei der Hochzeit von Kana in einer bedrängenden Situation gesagt hat. Dieses Wort lautet: "Was Christus euch sagt, das tut!" Dieser Ruf gilt auch uns. Was sollen wir als Christen in Europa heute und morgen in Treue zu Christus und zu den Menschen, die unserer Sorge anvertraut sind, besonders intensiv tun? Wir Bischöfe haben als Antwort auf diese Fragen Bitten formuliert, die wir Euch, liebe Christen, Brüder und Schwestern, auf den Weg in die Zukunft mitgeben:

1. Den Menschen Christus zeigen
"Ihr sollt meine Zeugen sein", hat Jesus Christus den Aposteln gesagt. Er sagt es auch zu uns. Viele Menschen in Europa kennen Christus nur oberflächlich oder noch gar nicht. Wir sind berufen, ihnen Christus zu zeigen. Wir begegnen ihm, wenn wir tief eintauchen in die Heilige Schrift, in das Gebet und in die Feier der Liturgie. Dazu brauchen wir eine konsequente Einübung. In den letzten Jahren ist dies leider oft versäumt worden. Wenn wir Christus wirklich gefunden haben, dann wird er uns drängen, die Freude darüber mit möglichst vielen anderen Menschen zu teilen. Wir werden missionarische Christen sein.
Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.

2. Beten lernen und beten lehren
Europa wird nur gesegnet sein, wenn es hier viele Menschen gibt, die miteinander und auch einzeln beten und so Gott eine lobende, dankende und bittende Antwort auf das Wort geben, das er durch Schöpfung und Erlösung immer neu zu uns spricht. Unsere Pfarrgemeinden und Gemeinschaften sollen noch mehr Schulen des Gebetes werden. Heiligkeit und Schönheit als Teilhabe am Glanz Gottes müssen die Liturgie wieder stärker prägen.
Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.

3. Das Glaubenswissen vermehren und vertiefen
"Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt", lesen wir im 1. Petrusbrief. Dies ist ein Wort auch für heute. Inmitten einer Bildungsgesellschaft ist es notwendig, dass Christen die großartige Gesamtgestalt des christlichen Glaubens gut kennen, damit sie in der Begegnung mit anderen Religionen und Lebensmodellen ernst genommen werden und bestehen können. Der "Katechismus der Katholischen Kirche" ist eine wichtige Hilfe zur Einübung in ein vertieftes Glaubenswissen.
Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.

4. Zeichen setzen
Täglich begegnen die Menschen in unseren Ländern einer Flut von Worten und Bildern. Nur weniges davon redet für Gott und für die Kirche. Wir können dem als Christen aber positive Zeichen entgegensetzen, indem wir das Kreuz in der Wohnung und im Arbeitsbereich, das Tischgebet und das Gespräch über religiöse Themen nicht verstecken. Das Zeichen des Kreuzes und andere christliche Symbole und Riten haben ihren Platz ebenso im privaten wie im öffentlichen Raum. Wir tragen als Christen sehr viel zum Wohl der Zivilgesellschaft unserer Länder bei. Das Christentum ist im Ganzen eine Großmacht weltweiter Barmherzigkeit und verdient daher den Respekt und auch die Dankbarkeit der Zivilgesellschaft.
Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.

5. Die Sonntagskultur bewahren
Der möglichst arbeitsfreie Sonntag als gemeinsamer Tag größerer Ruhe ist ein hohes Gut, dessen Preisgabe der ganzen Gesellschaft schweren Schaden zufügen würde. Uns Christen ist der Sonntag heilig. Er ist ein Tag des Feierns vor Gott und mit Gott, ein Tag des Dankes für Schöpfung und Erlösung und ein Tag der Familie. Wir wollen Allianzen gegen die Aushöhlung des Sonntags suchen und mittragen.
Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.

6. Leben schützen und entfalten
Entschiedene Christen sind Freunde des menschlichen Lebens in allen seinen Dimensionen: Freunde des geborenen und des noch nicht geborenen, des entfalteten und des behinderten, des irdischen und des ewigen Lebens. Dieses Leben ist heute besonders an seinem Anfang und seinem Ende bedroht. Wir werden daher unsere Kraft von Hirn, Herz und Hand einsetzen, um Menschen und ihre Umwelt zu schützen und zu entfalten. Unsere besondere Sorge gilt den Ehen und Familien. Sie sind unentbehrliche Bausteine der Gesellschaft und der Kirche. Die geringe Zahl der Kinder in unseren Ländern ist eines der größten Probleme Europas. Wir halten am Ideal stabiler Ehen und Familien unbeirrt fest und tragen am Geschick jener Menschen helfend mit, denen stabile Beziehungen zerbrochen sind.
Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.

7. Die Solidarität in Europa und weltweit fördern
Die Katholiken unserer acht Länder haben im zu Ende gehenden Jahr des Mitteleuropäischen Katholikentages viel miteinander und füreinander getan. Sie haben so die Solidarität der Zivilgesellschaft in unseren Ländern gestärkt. Dieses Miteinander darf nach der "Wallfahrt der Völker" nicht wieder schrumpfen. Wir Bischöfe bitten alle uns anvertrauten Christen: Gehen wir weiter auf dem begonnenen Weg inmitten unseres Kontinents, inmitten der ökumenischen Christenheit und inmitten der ganzen Menschheit. Die Wallfahrt der Völker war und bleibt ein wichtiges Stück dieses Weges. Die Erinnerung an das ehrwürdige Gnadenbild von Mariazell soll uns begleiten.
Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.

+ Josip Kardinal BOZANIC, Erzbischof von Zagreb, Vorsitzender der Kroatischen Bischofskonferenz,
+ Christoph Kardinal SCHÖNBORN, Erzbischof von Wien, Vorsitzender der Öst Bischofskonferenz,
+ István SEREGELY, Erzbischof von Eger, Vorsitzender der Ungarischen Bischofskonferenz,
+ Józef MICHALIK, Erzbischof von Przemysl, Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz,
+ Jan GRAUBNER, Erzbischof von Olomouc, Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz,
+ Franc KRAMBERGER, Diözesanbischof von Maribor, Vorsitzender der Slow. Bischofskonferenz,
+ FrantiÅ¡ek TONDRA, Diözesanbischof von SpiÅ¡, Vorsitzender der Slowakischen Bischofskonferenz,
+ Franjo KOMARICA Diözesanbischof von Banja Luka, Vorsitzender der Bischofskonferenz von Bosnien und Herzegowina.


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